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Leipziger Canadier zieht souverän ins WM-Halbfinale / Olympiasieger scheidet aus La Seu d’Urgell. Nach dem fünften Rang von David Schröder und Frank Henze erreichte gestern auch LKC-Klubkollege Jan Benzien bei der Kanu-slalom-WM in Spanien sicher das morgige Halbfinale. Mit seinem vierten Platz befindet sich der Einercanadier in Lauerstellung. Dagegen sorgte der Komplett-Ausfall der Kajak-Männer um Olympiasieger Alexander Grimm (Augsburg) für einen Schock im deutschen Team. Der DKV ist im Semifinale nur mit acht von zwölf Booten vertreten.
Grimm verpasste den Sprung unter die besten 20 aufgrund zweier Strafsekunden und wurde im zweiten Lauf vom 10. auf den 29. Rang durchgereicht. „Die Strecke war total leicht gehängt, das war wie auf der Autobahn. Es ging so eng zur Sache, da durfte man sich nichts leisten. Ich habe leider einen Fehler gemacht“, sagte der 23-Jährige. Benzien hatte seine Hausaufgaben schon am Vormittag mit seinem siebten Platz gemacht. „Ich war zufrieden und wusste, dass diese Zeit klar für die Top 20 reicht.“ Daher dachte der 27-Jährige darüber nach, auf den zweiten Lauf zu verzichten und Kraft zu sparen. Die sich hartnäckig haltende Erkältung war dafür das Hauptargument, denn der EM-Dritte fühlte sich auch gestern Morgen noch nicht fit. Doch der Leipziger trat ein zweites Mal an – vor allem zum Üben für den heutigen Teamwettbewerb, der auf dem identischen Kurs ausgetragen wird. Danach werden die Stangen für den Finaltag umgehangen – eine wesentlich schwerere Strecke entsteht. Im zweiten Durchgang steigerte sich Benzien um eineinhalb Sekunden. Und er war aus zweierlei Gründen froh, nicht am Rand gesessen zu haben: „Das Niveau war deutlich besser. Ich wäre nervös geworden, weil ich Platz um Platz nach hinten gerutscht wäre.“ Stattdessen holte er sich Selbstvertrauen für Sonntag. Zufrieden äußerte sich der zweifache Familienvater, dass mit Frithjof Bergner sein Heimtrainer und Vereins-Chef seit Mittwoch in den Pyrenäen weilt. Von ihm lässt sich Benzien auch während der WM coachen. „Frithjof ist vor allem wichtig für die mentale Seite, er tritt mich mal in den Hintern, wenn es nötig ist.“ Gestern verzichtete Bergner auf übertriebenes Schulterklopfen, wirkte eher nachdenklich denn zufrieden und meinte: „Die Platzierung ist für eine Quali in Ordnung, aber darum geht es mir nicht. Jan muss in so einem Feld immer unter die besten Zehn kommen, sonst hätten wir gar nicht hierher fahren brauchen. Wichtig ist, dass wir Fehler erkannt und im zweiten Lauf abgestellt haben.“ Besagter zweiter Lauf war laut Disziplin-Bundestrainer Henrik Bettge bis zum Tor 17 optimal, danach schlichen sich noch zwei Wackler ein. Benzien und der 19-jährige Augsburger Sideris Tasiadis (8.) bewegten sich auf einem Niveau. Beide wollen heute mit Lukas Hoffmann (21.) um Edelmetall im nichtolympischen Teamwettbewerb kämpfen. „Das würde mir noch mehr Sicherheit fürs Einzel geben“, meinte der Leipziger. Canadier-Bundestrainer Jürgen Köhler hofft, dass sich Geschichte nicht wiederholt. 1999 bei der letzten WM in Seu räumten die Deutschen bei den Mannschaften groß ab und schauten sich tags darauf verdutzt an. Lediglich ein vierter und fünfter Platz im Einzel führte dazu, dass DKV-Präsident Ulrich Feldhoff der Kragen platzte. Darüber konnten beide zehn Jahre später herzlich lachen. Der Zeitzer Michael Trummer, Köhlers Nachfolger als Chefcoach, hofft trotz des Kajak-Desasters auf einen Einstand mit Einzel-Edelmetall. Für die beiden Leipziger Boote erscheint dieses Vorhaben nicht aussichtslos. Frank Schober |